Burnout und Stressbelastung
Wenn die Kerze an beiden Enden brennt
Warum Erschöpfung selten nur persönliches Versagen ist – und was Körper, Kopf und Umfeld damit zu tun haben.
Stress ist zunächst ein neutraler Begriff: Er beschreibt, wie wir ein Ereignis einschätzen und darauf reagieren – körperlich, gedanklich, emotional und im Verhalten (Kaluza, 2018). Problematisch wird es nicht durch die Belastung an sich, sondern dadurch, dass Aktivierung ohne ausreichende Erholung chronisch wird: Dauerstress führt über erhöhte Muskelspannung, gestörten Schlaf und geschwächte Abwehrkräfte zu einem Teufelskreis aus Anspannung, Erschöpfung und sinkender Leistungsfähigkeit (Kaluza, 2018). Am Ende dieser Entwicklung steht häufig das Burnout-Syndrom mit seinen vier Facetten körperlicher, emotionaler, mentaler und sozialer Erschöpfung.
Aus systemischer Sicht entsteht Stress selten isoliert im Individuum. Er ist eingebettet in Wechselwirkungen zwischen Person und Umfeld: Arbeitsplätze mit hohen Anforderungen und wenig Entscheidungsspielraum, fehlender sozialer Unterstützung und mangelnder Anerkennung gelten als besonders stressgefährdend (Kaluza, 2018). Auch persönliche „Stressverstärker“ – etwa der Anspruch „Sei perfekt!“ oder „Halte durch!“ – entwickeln sich im Beziehungskontext, oft über Jahre, und wirken wie unbewusst mitgetragene Familienregeln, die unter Druck wieder aktiviert werden.
Hilfreich ist ein Blick auf drei Ebenen gleichzeitig: die äußeren Stressoren selbst verändern (instrumentelle Kompetenz), die eigene Bewertung der Situation überprüfen (mentale Kompetenz) und für regelmäßige Erholung sorgen (regenerative Kompetenz) [1]. Entscheidend ist dabei ein bewusster, nicht automatisierter Umgang mit Belastung, der auch danach fragt, welche Werte und Beziehungen in der jeweiligen Situation eigentlich geschützt werden sollen.
In der Beratung geht es deshalb nicht allein um Entspannungstechniken, sondern darum, das eigene Belastungsprofil, die unbewussten Antreiber und das soziale Unterstützungsnetz gemeinsam in den Blick zu nehmen – damit aus einem Zustand der Überforderung wieder ein tragfähiges Gleichgewicht werden kann.
Quellen
- 1. Kaluza, G. (2018). Stressbewältigung: Trainingsmanual zur psychologischen Gesundheitsförderung (4. Aufl.). Springer.