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Persönlichkeitsentwicklung

Die sieben Wege zu einem starken Selbst

Persönlichkeitsentwicklung heißt nicht, sich zu verändern – sondern die eigenen Ressourcen bewusster zu nutzen.

Persönlichkeitsentwicklung wird in der Psychologie oft über das Konzept der Resilienz gefasst: die Fähigkeit, unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen Krisen zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen (Welter-Enderlin, 2006) [1]. Resilienz ist dabei keine feste Eigenschaft, sondern ein dynamischer Anpassungs- und Entwicklungsprozess [2], der an zwei Bedingungen hängt: Eine Risikosituation muss bestehen, und das Individuum bewältigt diese auf der Basis vorhandener Fähigkeiten positiv [3].

Ein Modell, das sich für die Praxis besonders bewährt hat, unterscheidet sieben Wege zu einem gestärkten Selbst: Selbstwahrnehmung, Lebensfreude, Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmung, Optimismus, Coping und Empathie (Engelmann, 2019) [4]. Selbstwirksamkeit – die Überzeugung, durch eigenes Handeln etwas bewirken zu können – gilt dabei als besonders zentral, weil sie direkt beeinflusst, wie viel Anstrengung jemand in die Verfolgung eigener Ziele investiert (Bandura, 1977) [5]. Wer sich als wirksam erlebt, gibt bei Rückschlägen seltener auf.

Auch die Positive Psychologie trägt wesentliche Bausteine zur Persönlichkeitsentwicklung bei: Achtsamkeit als Grundlage, um gegenwärtige Erfahrungen bewusster wahrzunehmen, positive Emotionen als Nährboden für Entwicklung sowie Mut als Fähigkeit, die eigenen Grenzen zu erkennen und zu überschreiten (Engelmann, 2012; Seligman, 2011) [6]. Entscheidend ist dabei Selbstbestimmung, verstanden nicht als Isolation, sondern als die Fähigkeit, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, ohne sich von den Erwartungen anderer fremdbestimmen zu lassen [4].

Systemisch gedacht entwickelt sich Persönlichkeit nie im luftleeren Raum, sondern immer in Wechselwirkung mit Beziehungen, Rückmeldungen und sozialen Rollen. Beratung unterstützt hier, eigene Ressourcen sichtbar zu machen, blinde Flecken behutsam zu beleuchten und neue, authentischere Weisen des Seins im Kontakt mit sich selbst und anderen zu erproben.

Quellen

  1. 1. Welter-Enderlin, R. (2006). Resilienz aus der Sicht von Beratung und Therapie. In R. Welter-Enderlin & B. Hildenbrand (Hrsg.), Resilienz – Gedeihen trotz widriger Umstände. Carl-Auer.
  2. 2. Wustmann, C. (2004). Resilienz. Beltz.
  3. 3. Fröhlich-Gildhoff, K. & Rönnau-Böse, M. (2011). Resilienz. Ernst Reinhardt.
  4. 4. Engelmann, B. (2019). Therapie-Tools Resilienz (2. Aufl.). Beltz.
  5. 5. Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84(2).
  6. 6. Engelmann, B. (2012). Therapie-Tools Positive Psychologie: Achtsamkeit, Glück, Mut. Beltz; Seligman, M. E. P. (2011). Flourish. Random House.